Die Hanse und Kamen - Folge III Drucken

von Edith Sujatta, Ortsheimatpflegerin und Gästeführerin

Welche Rolle spielten nun die Kamener?
Die Westfalen, unter ihnen viele Kamener, waren bei der Eroberung des deutschen Ordenslandes im Osten und bei der Besiedlung der von slawischen Stämmen aufgegebenen Siedlungsräume an der Ostsee stark beteiligt.
Die Marienburg, 1280 Konventssitz des Deutschen Ordens, in der Wojwodschaft Pommern, Polen (C) Wikipedia / Foto: Thomas Stegh 
Die Marienburg, 1280 Konventssitz des Deutschen Ordens, in der Wojwodschaft Pommern, Polen

Das Wappen der Stadt Kamen (Quelle: Wikipedia)Die Stadt Kamen war vom 13. bis zum Beginn des 15. Jh. eine blühende Stadt mit hoher Wirtschaftskraft, die nach Hamm an zweiter Stelle in der Grafschaft Mark stand.
Wenn man in unsicheren Zeiten auf die Reise geht, ist es günstig, wenn man unterwegs bei Leuten Unterschlupf findet, die man kennt und denen man traut. Da Kamener Kaufleute sich früh Hansen anschlossen, ist es nicht verwunderlich, dass sie ihr Hauptgeschäftsfeld in den östlichen Ländern hatten. Sie waren dort so angesehen und erfolgreich, dass sich einige in Lübeck und in den Städten der Niederlassungen verheirateten und das Bürgerrecht erwarben.
Comitatus Marchia et Ravensberg (Grafschaft Mark und Ravensburg) aus: Theatrum Orbis Terrarum, sive Atlas Novus in quo Tabulæ et Descriptiones Omnium Regionum, Editæ a Guiljel et Ioanne Blaeu", 1645 (aus: Wikipedia) Comitatus Marchia et Ravensberg (Grafschaft Mark und Ravensburg)
aus: Theatrum Orbis Terrarum, sive Atlas Novus in quo Tabulæ et Descriptiones Omnium Regionum, Editæ a Guiljel et Ioanne Blaeu", 1645 (aus: Wikipedia)

Beispielhaft ist hier die Geschichte des in Kamen geborenen Kaufmanns Claus de Camen. Er war der Führer einer aus Kamen eingewanderten und sich von dorther ständig ergänzenden großen Sondergruppe unter den Lübecker Stockholmfahrern, dem „Kamener Kreis“.
In der ersten Hälfte des 14. Jh. nach Lübeck eingewandert, war sein Hauptgeschäftsfeld der Handel auf der Linie Stockholm, Reval, Gotland. Er war übrigens nicht der erste Kamener in Lübeck. Er selbst war vermutlich in Anlehnung an die Kamener Johann Metelere und Arnold Suderland, die beide in Lübeck Ratstitel erwarben, emporgekommen. Claus wird in den Zolllisten als der Befrachter der meisten zwischen Lübeck und Stockholm laufenden Schiffe genannt. Claus de Camen kann als der hervorragendste Repräsentant eines hansischen Buttergroßhändlers gelten. Der Wert seiner ausgewiesenen Ostseebutterausfuhr, die fast ausnahmslos auf Flandern zielte, belief sich 1368 auf mehr 1200 Mark und 1369 auf etwa 1000 Mark. Abgesehen von der Butter bildeten die schwedischen Metalle (Kupfer & Osmund) die Hauptartikel in Claus’ Ost-Westhandel. Unbedeutend waren dagegen seine Bezüge an Tran und Häuten. Die geringen Mengen an Pelzwerk, die nach Flandern gingen, stammten vielleicht aus dem Baltikum und nicht aus Schweden.
Der West-Osthandel Claus de Camens beruhte, wie aller Großhandel dieser Zeit, auf dem Geschäft mit flandrischem Tuch. 1368/69 bezog er dazu nicht geringe Mengen Öl aus Flandern.

Johan de Camen (unten links), Ratsherr in Lübeck 1190 (Bildnis im Heilig-Geist-Hospital, Lübeck)Johan de Camen (unten links), Ratsherr in Lübeck 1190 (Bildnis im Heilig-Geist-Hospital, Lübeck)

Ab 1368/70 erscheint sein Name gelegentlich im Schonen-Handel. Von 1378 bis 1381 gehörte Claus zu den führenden Großimporteuren von Heringen.
So durchsichtig der in Zolllisten festgehaltene Handel ist, so sehr bleiben die meisten sonstigen Nachrichten über diesen Großkaufmann zusammenhanglos. Als Partenreeder (Teilhaber, hält Anteile an einem Schiff oder mehreren) eines Lübecker Schiffers finden wir ihn in den 1370er Jahren. Zusammen mit seinem Verwandten Arnold Sparenberg kaufte er 1371 ein außerordentlich wertvolles Schiff. Aus den Auf- und Ausbaujahren seines Unternehmens in den 1360er Jahren wissen wir, dass er schon 1364 ein Haus in der Lübecker Fischerstraße kaufen konnte, das er bis zu seinem Tode bewohnte. Anderen Haus- und Grundbesitz, der teilweise aus Verpfändungen von Schuldnern stammte, verkaufte er bald wieder.

Über die persönlichen Verhältnisse Claus de Camens wissen wir nur aus sekundären Quellen, da er kein Testament hinterlassen hat. Er war ein Freund des alten Lübeck-Stockholmer Kaufmanns Johan Castel. Verheiratet war er mit Gerdeke, der Witwe des Lübecker Bürgers Albert Mentße. Als sie 1387 starb, beerbte sie ihren Brudersohn Albert, der Stockholmer Bürger war. Einige Informationen über Claus de Camen sind durch Stockholmer Geschäftsfreunde überliefert. Als Claus de Camen im Frühjahr 1385 gestorben war, traten zwei Stockholmer, Ratmann Gyse Kruse und Bürgermeister Johan Nagel, mit Ansprüchen an die Erben heran. Als Vertreter des Stockholmers Johan van der Heide verzollte er 1383 für 20 Mark Stockholmer Gut in Lübeck.

Die Wappen von Lübeck und Danzig mit den Hansefarben weiß und rotDie Wappen von Lübeck und Danzig mit den Hansefarben weiß und rot

Die Wappen von Lübeck und Danzig mit den Hansefarben weiß und rot (Quelle: Wikipedia.de)

1370 setzte der Lübecker Großhändler Herman de Camen sein Testament auf und wählte Nicolaus de Camen, Ratmann Johann Metelere, Arnold Sparenberg und Arnold Suderland, die nachweislich aus Kamen nach Lübeck eingewandert waren, zu seinen Nachlasspflegern. Sparenberg u. Suderman waren in das Lübecker Patriziat aufgenommen worden. Nach Hermans Tod meldeten seine altdeutschen Verwandten in zwei Briefen aus Kamen und einem Brief aus Hamm ihre Erbansprüche an. Mit Herman war aber auch der Stockholmer Lubbert de Camen verwandt. Weitere Lübecker Fernhandelskaufleute mit Kamener Abstammung waren Tideman Doding, Johan Lemhus, Cesar de Rode, Bernhard Pleskowe und Johan Stot.
Ihre Heimat bedachten einige Auswanderer mit Spenden. 10 Gulden gab z.B. Arnold Sparenberg für den gotischen Neubau der Severinskirche, und 5 Gulden für das Heilig-Geist-Hospital. Sein Verwandter und Freund, der Ratsherr Arnold Suderman, bedachte in seinem Testament von 1379 die Armen seiner Heimatstadt Kamen, die Kirche und das Heilig-Geist-Hospital, ebenso Stine, die Tochter seiner Schwester Greten und ihre Kinder, Metten Harnegge und eine Klausnerin, alle wohnhaft in Kamen. Sudermann war 1330 als Lübecker Bürger aufgenommen worden, er war zeitweilig im Russlandgeschäft tätig.

Fortsetzung folgt...

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